1 Einleitung

1.1 Anstoß, Forschungsbedarf und Forschungsfragen

1.1.1 Persönlicher Auftakt

Wissensmanagement, die Managementmode der späten neunziger Jahre, war mit der Verheißung angetreten, die Nutzung des vierten Produktionsfaktors zu optimieren. Heute, ein Jahrzehnt später, haben sich diese Träume nur teilweise erfüllt. Zwischenzeitlich etablieren sich, gestützt durch eine neue Klasse von Web-Applikationen, neue Handlungs- und Vernetzungsmuster bei sogenannten ,Wissensarbeitern", die den Zielen des in die Jahre gekommenen Wissensmanagements entgegenkommen. Gemeint sind damit Anwendungen, die es nahezu jedermann ermöglichen, Texte, Bilder und teilweise audiovisuelles Material auf einfache Weise - und damit sehr schnell - zu publizieren.

Meine ersten Ideen, mich circa sechs Jahre nach dem Hochschulabschluss der Universität als Wissenschaftler zu nähern, datieren auf den Anfang des Jahres 2004. Fünf Jahre später kann ich mich nur mittels eigener Aufzeichnungen erinnern, wie das Vorhaben Promotion schrittweise Gestalt annahm. Es spielten unter anderem die visionären Arbeiten von Sebastian Fiedler (Fiedler 2003) und meine kontinuierliche berufliche Beschäftigung mit dem Thema Wissensmanagement entscheidende Rollen.

Im Juni 2004 verfasste ich ein Exposé mit dem Titel ,Potenzial von Technologien zum Personal Web Publishing für dezentrales, wissensorientiertes Management" in dem die folgenden Ziele formuliert wurden:

Die vorliegende1 Arbeit soll klären, welches Potenzial der Einsatz der beschriebenen Technologien in Unternehmen bietet und welche Rahmenbedingungen psychologischer, technischer und organisationaler Art besonders zu berücksichtigen sind.

Das Ergebnis besteht in Gestaltungsempfehlungen für den Einsatz der Personal Web Publishing Tools und für die Nutzung der entsprechenden Konzepte.

Personal Web Publishing bezieht sich dabei auf die Nutzung von Web-Anwendungen, die als Weblogs oder kurz Blogs bezeichnet werden (s. 4.1.1). Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit, ohne spezielle informationstechnische Kenntnisse und ohne eigene spezielle Softwarewerkzeuge, Informationen im Internet zum Abruf bereitstellen zu können. Entsprechende Infrastrukturen können auch im Intranet einer Organisation eingerichtet werden und sind dann nur innerhalb des Firmennetzwerks erreichbar. Weder der Begriff ,publishing" noch die Verkürzung auf das Schlagwort Weblogs / Blogs erweisen sich als besonders glücklich, wenn man als Wissenschaftler tiefer in die Materie der Nutzung solcher Anwendungen in Organisationen eintaucht. In diesem Sinne soll die vorliegende Arbeit ein differenzierteres Bild des Mediums Weblogs zeichnen, als es die häufig verwendeten Metaphern von Tagebuch und Amateurjournalismus nahelegen.

Kulisse (Escher 1997) und Bezugspunkt für meine Erforschung der Einsatzmöglichkeiten ist die oben apostrophierte Disziplin Wissensmanagement, die seit circa einem Jahrzehnt im Mittelpunkt meiner beruflichen Tätigkeit steht. Als Entwickler für sozio-technische Wissensmanagement-Lösungen und (interner) Berater für entsprechende Fragen konnte ich während dieser Zeit verschiedene Trends kommen und gehen sehen (vgl. Kapitel 2). Ab dem Jahr 2004 beschäftigten wir uns auch in der zentralen Technologieabteilung der Siemens AG intensiver mit Einsatzmöglichkeiten für Weblogs unter der Perspektive des Wissensmanagements. Den Rahmen dafür bot (noch) nicht das Thema persönliches Wissensmanagement, sondern zunächst die Suche nach neuen Community-Methoden. Die Jahre zuvor waren stark geprägt gewesen von den Versuchen, verschiedene Formen von Communities of Practice zu implementieren und zu unterstützen. Es schien so, als könnten Weblogs eine alternative Infrastruktur für solche Gemeinschaften sein. Außerhalb der ,corporate firewalls", hatte ich das Glück, an den ersten BlogWalk-Treffen2 teilnehmen zu können. Es handelte sich um ein Workshop-Format, dass einen intensiven Austausch zwischen Praktikern ermöglichte und große Konferenzen wie beispielsweise die blogtalk-Reihe3 ergänzen sollte.

1.1.2 Forschungsfragen

Den skizzierten Quellen entsprang die Forschungsfrage: Was geschieht, wenn man Weblogs in eine (große) Organisation einführt? Diese recht allgemeine Fragestellung erhält durch den Bezug zum organisationalen Wissensmanagement eine erste Präzisierung, nämlich einerseits auf einen organisationsinternen Einsatz und andererseits auf Fragen nach Nutzenpotenzialen für Wissensmanagement. Wissensmanagement kann natürlich auch Aktivitäten umfassen, die die Organisationsgrenze überschreiten. Nicht nur im vorliegenden Fall dürfte die Wahl beim Experimentieren mit einem neuen Medium jedoch zunächst auf einen internen Einsatz fallen, um einerseits Risiken zu begrenzen und sich andererseits Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.4 Woraus diese Vorteile mit Wissens(management)bezug im Einzelnen bestehen könnten, ist unklar, auch wenn sie dort überwiegend vermutet werden (McKinsey 2007, McKinsey 2008). In der Beleuchtung dieser Potenziale liegt der wissenschaftliche Beitrag der vorliegenden Arbeit.

Mitte 2006 gelang schließlich eine Einführung von Weblogs bei meinem Arbeitgeber, die als wichtige Erkenntnisquelle diente. Aus der globalen und vergleichsweise ergebnisoffenen Einführungsstrategie, die die Siemens AG für ihre Mitarbeiterweblogs verfolgte, ergab sich ein willkommener Aspekt: Die Plattform hatte Angebotscharakter, das heißt, das Einrichten eines persönlichen Weblogs erfolgte freiwillig und war im Besonderen nicht an spezifische, zentral gesteuerte Wissensmanagementprojekte oder Kommunikationsprogramme gebunden. Man kommt damit der freiwilligen Situation im Internet näher als in stark fremdgesteuerten Einführungskontexten und kann valider von Adoption auf Akzeptanz und individuell wahrgenommenen Nutzen schließen.

Untersuchungsgegenstand sind also selbstadministrierte Weblogs von Mitarbeitern im5 Intranet einer Organisation. Die übergeordnete, präzisierte Forschungsfrage lautet damit: Welche Nutzenpotenziale haben Mitarbeiterweblogs (insbesondere) für das Wissensmanagement einer Organisation? (F0)6

  1. Ausgehend von dieser Fragestellung, ergeben sich weitere untergeordnete Fragen:
  2. Welche Defizite gibt es aktuell im organisationalen Wissensmanagement? (F1)
  3. Welche Nutzungsformen von Weblogs werden im Kontext Internet beschrieben? (F2)
    Sind diese Formen auf den Organisationskontext übertragbar?
    Wie lässt sich eine solche Übertragung sinnvoll beschreiben?
  4. Mit welchen Konzepten lassen sich Nutzungsformen und Nutzenpotenziale im Kontext Intranet geeignet beschreiben? (F3)

Empirisch gestützt soll beschrieben und verdichtet werden,

  1. Wie, wozu und wie intensiv wird ein entsprechendes Angebot genutzt? (F4)
  2. Welcher Beitrag entsteht für das Wissensmanagement, insbesondere für den Wissensaustausch? (F5)

Für den erste Fragenblock bietet sich eine theoretisch-argumentierende Herangehensweise an, beim zweiten Block steht die empirische Fundierung im Vordergrund. Durch die Verdichtung der Beobachtungen und den Abgleich mit bekannten Konzepten und Studien ergibt sich jedoch auch für F4 und F5 ein theoretisch-konzeptionelles Moment. Schließlich stellt sich bei jeder Erkenntnis die Frage nach deren Nutzbarkeit in anderen vergleichbaren Kontexten. Die Beschreibung der Nutzenpotenziale soll schließlich um Risiken, Konsequenzen und Gestaltungsempfehlungen erweitert werden.

Generell lassen sich zwei Defizite zu den beschriebenen Forschungsfeldern feststellen. Zum einen gibt es relativ wenige empirisch gestützte Studien zum organisationsinternen Einsatz von Weblogs. Zum anderen ist die Forschung hierzu kaum theoretisch fundiert. Beide Defizite sollen mit der vorliegenden Arbeit verringert werden. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung von Orientierungswissen (Scherer 2006, Seiler 2008: 128) durch Verdichtung und Vernetzung einzelner Konzepte aus unterschiedlichen Fachdisziplinen.

1.1.3 Forschungsmethoden - Spannungsfelder

Angesichts der geschilderten Defizite stellt ein exploratives Vorgehen (Bortz & Döring 2001) im Rahmen der oben beschriebenen Schwerpunktsetzung das geeignete Verfahren dar. Je nach Forschungsfrage und Themenbereich handelt es sich eher um eine theoriebasierte (F1, F2, F5) oder um eine empiriebasierte Exploration (F3, F4). Bei letzterer werden sowohl quantitative als auch qualitative Auswertungsmethoden eingesetzt. Abbildung 1 zeigt schwerpunktmäßig die Zuordnung der Forschungsfragen zu den Kapiteln der Arbeit. Insbesondere beim Thema organisationales Wissensmanagement heißt ,theoriebasiert" im vorliegenden Fall nicht ausschließlich ,literaturgestützt". Hierbei kommt meine Erfahrung aus zehn Jahren Wissensmanagementberatung und -entwicklung zum Tragen, insbesondere bei der Auswahl und Bewertung der referierten Konzepte. Gerade wenn es um die Bevorzugung eines Modells gegenüber eines anderen ging, habe ich deshalb versucht, zu reflektieren, zu relativieren, oder zumindest zu argumentieren. Vor allem dort, wo mir die intuitive Integration meiner Erfahrungen bewusst wurde.

Meine Biographie bringt außerdem eine Vernetzung von technischer und sozialer Betrachtungsweise mit sich. Dies mag es für den Leser manchmal schwierig machen, da die entsprechenden Gegenstandsbereiche üblicherweise durch Disziplinierung voneinander getrennt sind. Ich wechsle also mitunter die Perspektive zwischen psychosozialen Erlebens- und Verhaltensphänomenen einerseits sowie technisch-funktionalen Bedingungen und Entwicklungen andererseits. Dies soll zu Einsichten beitragen, die nur durch die Betrachtung des engen Zusammenspiels von Mensch und Technik erlangt werden können.

Durch die Anbindung an ein interdisziplinäres Institut, löst sich die Arbeit von einer starren Bindung an einzelne wissenschaftliche Fächer (s. 1.2). Neben dem angesprochenen Spannungsfeld Mensch und Technik wechselt die Arbeit mehrmals zwischen der kollektiven Aggregationsebene der Organisation und der Individualebene, was alleine schon den Rückgriff auf unterschiedliche Disziplinen wie Psychologie und Soziologie erfordert.

Methodisch werden teilnehmende Beobachtung, teilstrukturierte Interviews und die fallweise Inspektion von Weblog-Inhalten eingesetzt, die sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgewertet werden (s. 5.2). Hintergründe und der Kontext der Forschung werden aus ethnographischer Perspektive dargestellt. Die Studie ist in zweierlei Hinsicht eine Einzelfallstudie. Zum einen wird empirisch die Einführung Weblogs in einem Unternehmen untersucht, zum anderen werden im Rahmen dieser Einführung wiederum einzelne Mitarbeiter als Fälle dargestellt, die mit dem Medium Weblogs in Berührung kamen. Der Unternehmensfall wird durch literaturgestütze Argumentation und die Einbeziehung möglichst vergleichbarer empirischer Studien relativiert. Die individuellen Einzelfälle bekommen einen Rahmen durch die explorativen Analysen der aggregierten Daten.

In Anlehnung an Reeves (2000), der die Forschung zu Instruktionstechnologien reflektiert und systematisiert, verfolgt meine Arbeit theoretische Ziele im Rahmen einer Entwicklungsforschung (Wellenreuther 2000: 221 ff.). Es wird demnach die Präzision experimenteller Forschungsansätze zu Gunsten von Komplexität und Relevanz ,geopfert", wobei auf die Reflexion und Verdichtung von Konzepten besonderer Wert gelegt wird.

1.1.4 Aufbau der Arbeit

Nach einer kurzen disziplinären Verortung und Begriffsbestimmungen zu Wissen, Information und Management beschreibe ich zunächst das Thema Wissensmanagement (Kapitel 2) mit seinen unterschiedlichen Facetten, Konzepten und ungelösten Problemen. Ich argumentiere, dass sich ein zeitgemäßes Wissensmanagement an den Charakteristika von Wissensarbeit zu orientieren hat und Entwicklungen wie Ökonomisierung, Individualisierung und Informatisierung berücksichtigen muss. Aus dieser Diagnose heraus erfolgt eine erste Beschreibung von Potenzialen für Weblogs im Wissensmanagement. Die Analyse wird im nächsten Schritt vertieft, indem die individuelle Ebene digitaler Wissensarbeit analysiert und modelliert wird (Kapitel 3). Auch aus dieser Analyse folgen weitere Potenziale und Grenzen für den Einsatz von Weblogs.

In Kapitel 4 wird dargestellt, wie sich die Nutzung von Weblogs im Internet ausdifferenziert, wie diese Praktiken im Sinne eines Technologie-Push auf Organisationen wirken und auf Adoption drängen. Aus der Differenzierung von Weblog-Stilen und einer Systematisierung zu Social Software allgemein werden weitere Konzepte für die eigene empirische Studie gewonnen.

In der empirischen Studie (Kapitel 5 und 6) wird die Genese der Infrastruktur und der Nutzungspraktiken in der Siemens AG beschrieben und, wo möglich, mit Daten aus vergleichbaren Studien verglichen. Nutzungsformen und Nutzenpotenziale werden anhand von zehn Einzelfallstudien gewonnen und systematisiert. Im Hinblick auf organisationales Wissensmanagement wird das Verwendungsmuster Wissensweblogs herausgearbeitet und zu den beobachteten Charakteristika in Beziehung gesetzt.

Kapitel 7 schließt die Arbeit mit einer Integration der Ergebnisse in Bezug auf organisationales Wissensmanagement ab. Es werden die Besonderheiten und Leistungen der eigenen Studie reflektiert sowie generelle Potenziale, Konsequenzen und Risiken der beschriebenen Entwicklungen skizziert. Die Verschränkung zwischen den Themenbereichen und der Beantwortung der Forschungsfragen stellt Abbildung 1 grafisch dar.

1.1.5 Sprachverwendung und Textformate

Diese Arbeit ist in der Ich-Form verfasst, konsequenterweise beziehen sich Formulierungen wie ,der Autor" oder ,die Autorin" auf zitierte Personen, also beispielsweise das letzte Zitat. Außerdem ist bei allgemeinen Personenbezügen, der besseren Lesbarkeit wegen, die männliche Form gewählt. Bei den Fallstudien ist dies schon aus Gründen der Anonymisierung notwendig. Ursprüngliche Hervorhebungen in Zitaten werden ggf. als Unterstreichungen wiedergegeben, eigene Hervorhebungen durch Fettdruck. Kursive Schrift im eigenen Text soll eine inhaltliche Betonung zum Ausdruck bringen, Fettdruck dient der besseren Auffindbarkeit von Schlüsselbegriffen. Bezeichnungen für 'stehende Begriffe' werden dort in einfache Anführungszeichen eingeschlossen, wo diese Bezeichnungen nicht allgemein eingeführt sind. Wörtliche Zitate und Wortspiele mit üblichen Benennungen, die auf mitunter paradoxe Sachverhalte verweisen sowie eigene Wortspiele mit unüblichen Benennungen werden in doppelten Anführungszeichen ,geführt". Synonyme Bezeichnungen werden entweder ergänzend in Fußnoten, eingeleitet mit ,Synonym", aufgeführt oder im Text mit ,/" gereiht, wenn das Aufzeigen der Synonymie dem besseren Verständnis des fortlaufenden Textes dienen kann.

Direkt nach Kapitel- oder Abschnittsüberschriften habe ich einführenden Text formuliert, wenn dieser zur Abstraktionsebene der Überschrift passt. Sind solche einführenden Sätze nicht notwendig und die nächste Teilüberschrift geht meines Erachtens klar aus dem übergeordneten Titel hervor, entfallen solch einführenden Ausführen. Die oberste Gliederungsebene heißt Kapitel, die zweithöchste bezeichne ich mit Abschnitt.

1.2 Disziplinen, Theorien, Grundbegriffe

1.2.1 Theorieebenen und Basisdisziplinen

Durch die Vielschichtigkeit des Forschungsgegenstands im Rahmen der aufgeworfenen Forschungsfragen ergibt sich ein ganzer ,Stapel" von Basistheorien, die berücksichtigt werden sollten. Zu beteiligen sind Theorien auf mindestens vier Ebenen, nämlich auf der Ebene des Wissens, des Individuums, des Wissensmanagements und auf der Ebene der Organisation.7 Abbildung 2 stellt diese Theorieebenen grafisch dar.

Wissenstheorien (Kübler 2005: 97) bieten Unterscheidungen zum Thema Wissen. Sie beschäftigen sich mit den Beschaffenheiten von Wissen und bilden häufig Wissenstaxonomien aus, in denen unterschiedliche Arten von Wissen differenziert werden. Entsprechende Gliederungen finden sich beispielsweise in der Philosophie, der Pädagogik und der pädagogischen Psychologie, der Kognitionspsychologie, der Informationswissenschaft und in der Wissenssoziologie.

Humanwissenschaftliche Theorien bieten Konzepte, wie Individuen Wissen entwickeln, vermitteln, akzeptieren oder ablehnen und in Handeln umsetzen. Hier werden sowohl intraindividuelle als auch interindividuelle Phänomene konzeptualisiert. Konzepte findet man typischerweise in Pädagogik und Psychologie.

Sozialwissenschaftliche Theorien haben größere soziale Einheiten zum Gegenstand und sind insofern geeignet, das Geschehen in Organisationen und Gesellschaften zu beschreiben. Aber auch das Verhältnis von Individuum und diesen sozialen Systemen spielt eine entscheidende Rolle ( Luhmann 2006: 249 ). Zu nennen sind hier neben der Soziologie auch spezialisiertere Disziplinen wie Organisationslehre, Strategielehre und Theorien der Firma (Steinmann & Schreyögg 1993).

Wissensmanagement-"Theorien" oder besser Bezugsrahmen für Wissensmanagement ( Osterloh & Grand 1995 ) versuchen, meist zwischen den letztgenannten Ebenen, Konzepte anzubieten. Hier werden typischerweise, vom Individuum abstrahierte, ,Wissensprozesse" postuliert. (vgl. 2.4). Wie noch gezeigt werden wird, befindet sich die Praxisdisziplin Wissensmanagement großenteils noch in einem als vor-theoretisch zu bezeichnenden Entwicklungsstadium.

In der vorliegenden Arbeit bediene ich mich theoretischer Konzepte aus allen vier beschriebenen Ebenen, ergänzt um Bausteine der angewandten Informatik, insbesondere der Mensch-Computer-Interaktion (s. Kapitel 3). Eine Beschränkung auf spezielle Medienwissenschaften - beispielsweise Medientheorie(n), Medienphilosophie oder Mediensoziologie - erfolgt nicht. Das Feld erscheint mir relativ fragmentiert, ein Ordnungsversuch würde eine eigene Arbeit darstellen. Insbesondere die Tatsache, dass Weblogs von diesen Wissenschaftsdisziplinen bisher kaum systematisch erforscht wurden, macht einen Rückgriff auf etabliertere Theorien erforderlich. Eine Verbindung von Medienwissenschaften und Wissensmanagement, unabhängig vom Thema Weblogs, wäre ein weiteres, interessantes Forschungsgebiet.

1.2.2 Differenzierung zwischen Wissen und Information

Kaum eine Auseinandersetzung mit dem Thema Wissensmanagement kommt um Klärungsversuche zum Begriff Wissen herum. Doch wie soll die Klärung eines Begriffes erfolgen, der das abendländische Denken und Forschen seit circa zweieinhalb Tausend Jahren beschäftigt? Die Fragen, die an das Konzept Wissen gestellt werden sind vielfältig, unterliegen historischen Entwicklungen und bringen so Differenzierungen des Wissens (Schilcher 2006: 16) hervor, von denen einige in Kapitel 2 beschrieben werden.

Ich möchte, einer Einleitung angemessen, einige Kernbereiche dessen zu umschreiben, was Wissensverständnisse einerseits voneinander abgrenzt und andererseits zusammenhalten kann. Es lassen sich Aspekte benennen, an denen sich wortwörtlich die Geister (und Disziplinen) scheiden. Auf eine tabellarische Auflistung von Wissensdefinitionen, wie man sie häufig in wissenschaftlichen Arbeiten findet, verzichte ich bewusst. Sinnvollerweise müsste nämlich mitbetrachtet werden, welche Fragen mit dem Wissensbegriff in der jeweiligen Entwicklungsphase einer Disziplin oder historischen Epoche einer Disziplin überhaupt aufgegriffen werden. Letzteres geschieht leider selten. Schilcher (2006) betont, dass die Debatten um Wissen heute vor allem vor dem Hintergrund einer sich entwickelnden Informations- und Wissensgesellschaft (Kübler 2005, Castells 2001, Bell 1985) geführt werden.

Das Verständnis von Wissen, das sich heute zu einem zentralen Bezugspunkt verschiedener Auseinandersetzungen entwickelt hat, besitzt weder eine genuin philosophische noch wissenssoziologische Ausrichtung. Dieses Verständnis ist vor allem utilitaristisch, pragmatisch auf Handlungsfähigkeit und damit auf praktische Verwendbarkeit ausgerichtet. (Schilcher 2006: 21)

Es ist also nachvollziehbar, warum man sich ,im Wissensmanagement" hauptsächlich an der Unterscheidung Wissen vs. Information abarbeitet. Fragen nach Wissen vs. Meinen oder Wissen vs. Wahrheit sind für eine ökonomische Verwertbarkeit von untergeordnetem Interesse.

Insofern müsste das Konzept der Viabilität aus dem Radikalen Konstruktivismus von Glasersfelds (von Glasersfeld 1996) eigentlich anschlussfähig sein. Die Attraktivität relativiert sich allerdings schnell durch den Bezug zur Erkenntnistheorie einerseits und die strikte Forderung andererseits, Wissen unveräußerbar an Menschen zu binden. Entlang dieser Demarkationslinie verläuft eine begriffliche Inkommensurabilität. Ein Teil wissensrelevanter Theorien lässt Wissen prinzipiell nur innerhalb lebender, erkenntnisfähiger Systeme, mit anderen Worten, Menschen, zu. Über Symbolsysteme externalisierte, insbesondere über Schrift materialisierte Ausdrucksformen werden als Information bezeichnet.

Dagegen werden in der soziologischen Systemtheorie sensu Luhmann und trivialisierten Modellen, wie beispielsweise der sogenannten Wissenstreppe (North 1998), Sprünge sowie Umschlagspunkte der Komplexität8 oder Relevanz (Willke 1998a: 13) als Unterscheidungskriterien gefordert. Es ist dann nicht mehr nötig, Wissen an Leben zu binden. Auf diese Weise entsteht eine Anbindung an die Vorstellung, dass Wissen in (den Büchern) einer Bibliothek ,stehen" kann. Hierzu wird das Konzept des ,Systems Person" durch das Konzept eines abstrakten (autopoetischen) Systems ersetzt,9 dass auf unterschiedlichen Aggregationsebenen gedacht werden kann und damit ,existiert" (Luhmann 1984: 16).10 Beispiele für solche Aggregations- oder Analyseebenen sind Gruppen, Organisationen und Gesellschaften. In meiner Arbeit bevorzuge ich die Bezeichnung Emergenzebenen, um zum Ausdruck zu bringen, dass die unterschiedlich großen sozialen Gebilde spezifische Dynamiken aufweisen.11 Dies ist gerade dann zu berücksichtigen, wenn Phänomene (Dynamiken) auf unterschiedlichen Ebenen gleich bezeichnet werden, wie dies beispielsweise beim Lern- und beim Wissensbegriff der Fall ist.

Entlang dieser Emergenzebenen lässt sich der Begriff ,Wissen" unterschiedlich verorten. Dies führt dann zu Forderungen, dass nur Individuen12 Wissen tragen können, oder zum genau umgekehrten Fall, wie im sozialen Konstruktionismus Gergens (Gergen 2002). Bei letzterem wird davon ausgegangen, dass Wissen prinzipiell keinen individuellen Charakter haben kann, sondern sich grundlegend auf soziale Aggregate beziehen muss. Abbildung 3 stellt den Versuch dar, ein Spielbrett (Romhardt 1998) für diese Unterscheidungen bereitzustellen, dass je nach erkenntnistheoretischer Grundhaltung und theoretischer Tradition unterschiedlich mit den Begriffen Information und Wissen ausgefüllt werden kann (vgl. auch von Glahn 2009: 16).13

Ich werde mich in dieser Arbeit bemühen, einen trennscharfen Wissensbegriff (Wissen im engeren Sinne) zu verwenden, dessen Grenze entlang der Unterscheidung material vs. menschlich verläuft (dramatischer: tot vs. lebendig, Roehl und Romhardt 2000). Von Wissen - im engeren Sinne - ist demnach zu sprechen, wenn es(!) an lebende Menschen gebunden ist. In jedem Fall ist diese Unterscheidung klarer zu ziehen als die beschriebenen Umschlagspunkte in der Komplexität zu bestimmen. Hier ist meiner Meinung nach ein Denken in Kontinua angemessener. Sollen nun informationstragende Medien, wie beispielsweise Weblogs, untersucht werden, so ist es bei aller Trennschärfe hilfreich, einige Wege aufzuzeigen, die Verbindungen zwischen Wissen und Information beschreiben.

1.2.3 Integrierende Aspekte (zwischen Wissen und Information)

Ein integrativer Aspekt vieler Wissensphänomene und -Probleme bezieht sich auf den strukturellen (statischen) Charakter, der Wissen zugeschrieben wird.

Eine andere wesentliche Eigenschaft von Wissen, seine strukturelle Natur, ist auch mit einem Paradox behaftet. Es macht keinen Sinn, von Wissen zu reden, wenn wir ihm nicht eine gewisse Dauerhaftigkeit zuordnen. Wir verfügen nur über wirkliches Wissen, wenn es uns implizit oder explizit zur Verfügung steht, wenn wir es handelnd oder redend ausdrücken und in mehr als einer Situation aktualisieren und anwenden können. (Seiler 2008: 11)

Damit einher geht die Überlegung, dass Wissen, wie und wo auch immer, repräsentiert14 oder verkörpert (Amelingmeyer 2004: 43) ist. Der Aspekt der Verkörperung ermöglicht eine Integration über die Unterscheidung belebt vs. materialisiert hinweg, da nach dieser Vorstellung sowohl humane als auch materiale Wissensträger denkbar sind. Akzeptiert man diese Zumutung, dann lässt sich zwischen schriftlichem und mündlichen Wissen unterscheiden und eine Anbindung an den Kommunikationsbegriff Luhmanns (2006: 311) erreichen, die hier jedoch nicht weiter verfolgt wird.

Ein umfassenderer, integrativer Wissensbegriff liegt dem strukturgenetischen Modell von Seiler und Reinmann (2004) zugrunde, welcher Information, unter bestimmten explizierten Einschränkungen(!) als eine Form von Wissen begreift und somit auch Artefakten Wissensqualität zugesteht.15 Bei Informationen handelt es sich demnach um öffentliches Wissen, welches in den meisten Fällen durch das Symbolsystem Sprache konventionalisiert wurde (präzise: konventionalisiertes öffentliches Wissen).

Unter der doppelten Einschränkung, dass aktuelles und personales Wissen (Synonym: idiosynkratisches Wissen, KE) den Zeichen durch semiotische Akte anvertraut wurde, und dass es der Interpretation durch aktuelles Wissen von Personen bedarf, sind wir berechtigt zu sagen, dass Information in und durch Zeichen objektiviertes oder materialisiertes Wissen sei. (Seiler 2008: 109 f.)

In der entsprechenden Darstellung (Abbildung 4) kommt auch klar zum Ausdruck, welche wichtige Rolle der Dialog zwischen zwei Subjekten spielt (linke Seite des Modells) und wie diese Kommunikation materialisiert abgegriffen werden kann und dann einen anderen Charakter bekommt. Wissen im weiteren Sinne umfasst also sowohl einen statischen (strukturellen) Aspekt als auch die prinzipielle Möglichkeit der Veränderung (dynamischer, prozessualer Aspekt). Wissen ist sozusagen, metastabil. Für einen bestimmten Zeitrahmen wird Stabilität angenommen, bei prinzipieller Änderungsmöglichkeit hin zu einem nächsten, ,besseren" Wissenszustand.

Zusammenfassend möchte ich Wissen im engeren Sinne als lebendig verkörperte Repräsentation von vernetzten viablen Handlungsmustern beschreiben16 (in Anlehnung an Amelingmeyer 2004 und Meyer 200517). Die Repräsentation bezieht sich auf das erfolgreiche Handeln und insbesondere nicht auf eine ontische, überindividuell korrespondierend abgespeicherte, Realität (vgl. von Glasersfeld 1996).

Von In-form-ation dagegen soll die Rede sein, wenn Dialoge, Gedanken oder Beobachtungen in eine Form gebracht werden (vgl. Schmiede 2006: 7). Es handelt sich, in Anlehnung an systemtheoretische Redeweisen, um symbolisch repräsentierte Unterscheidungen (Spencer-Brown 2004). Hierbei spielt Sprache, als sehr flexibles Symbolsystem eine herausragende Rolle. Alltagssprachlich (und systemtheoretisch) wird der Begriff Information eher für ,kleinere", elementare Einheiten verwendet, was mich zur folgenden Arbeitsdefinition führt: Informationen sind elementare, material symbolisch repräsentierbare Unterscheidungen. Wegen der relativ einfachen Materialisierbarkeit ist dann die Rede von der Information in einem Medium (für mich) akzeptabel. Da heutzutage gesprochene Sprache mit alltäglich verfügbaren technischen Mitteln materialisiert werden kann, lässt sich auch in diesem Fall von Information sprechen, auch wenn der Grad der Formalisierung ein geringerer ist als bei Schriftsprache. Information ist sozusagen durch soziale Konventionen formalisiert, Daten durch technische Konventionen.18

Degele (1999) entwickelt die technologisch abgestützte These von der zunehmenden Informierung des Wissens und beschreibt, wie durch die zur Banalität gewordenen Computerisierung des Alltags, sich der Umgang mit Wissen verändert.

Mit der ,Informierung von Wissen" behaupte ich, daß der Einsatz von Computern Wissen in eine neue, nämlich inhaltsarme und dafür verarbeitungs- und inszenierungsfreundliche (im Sinne von leichter vermittelbar, KE) Form bringt. (Degele 1999: 2)

Es ist zu vermuten, dass solche Prozesse in besonderer Weise auf den Untersuchungsgegenstand zutreffen, weshalb ich es hier bei der Wahl eines formal-objektivistischen, aber soziologisch gestützten, Informationsbegriffs belasse.19 Information in diesem Sinne ist nahezu kostenlos und in den meisten Fällen unendlich schnell übertragbar, wenn man von ,großvolumigen Formaten" wie hochaufgelösten Röntgenbildern und Filmen einmal absieht, die bestehende Infrastrukturen noch vor Herausforderungen stellen.

1.2.4 Management und Steuerung

Wesentlich seltener als die Auseinandersetzung mit dem Wissensbegriff im Wissensmanagement findet eine Reflexion des Managementbegriffs statt. Ist hier nichts für das Management von Wissen zu gewinnen?

Management ist überall. Betriebliches (Miß-)Management, regionales, nationales und internationales Krisenmanagement, Selbstmanagement: im Alltagsgebrauch scheint es zumeist um das Handhaben oder Bewältigen von Problemsituationen zu gehen [...]. Eine verbindliche, allgemein akzeptierte Definition von Management findet sich nicht. Es handelt sich um eine kontingente Allerweltsvokabel, deren wachsende Popularität mit zunehmender Mehrdeutigkeit einhergeht. (Beyes 2002: 84)

Auch der Begriff Management wird also inflationär verwendet, obwohl er im Vergleich zum Wissensbegriff erst rund 100 Jahre alt ist (Crainer 2000; Staehle 1994: 21). Assoziiert ist ,das Managen" als Sammelbegriff betriebswirtschaftlicher Steuerungsfunktionen mit unterschiedlichen sozialen Fakten. Es geht um (a) die Erreichung der Unternehmensziele mittels (b) ,durch und durch" zweckrationalen Handelns20 (Beyes 2002: 86), im (c) Rahmen einer Hierarchie, die (d) zentral organisierte Steuerbarkeit und (e) Kontrolle garantieren soll. Als typische Teilfunktionen hierzu gelten Planen, Organisieren, Personal einsetzen, Führen und Kontrollieren (Steinmann & Schreyögg 1993: 8).

Abstrakter formuliert handelt es sich um einen ,Komplex von Steuerungsaufgaben, die bei der Leistungserstellung und -sicherung in arbeitsteiligen Systemen erbracht werden müssen" (Steinmann & Schreyögg 1993: 7). Mittelbar wird mit dieser Aufgabe auch ,das Management" als Personenkreis leitender Angestellter angesprochen, die diese Funktionen ausüben (institutionaler Managementbegriff). In meiner Arbeit konzentriere ich mich auf den ersteren, funktionalen Managementbegriff, um insbesondere veränderte Erwartungen und Verschiebungen an Steuerungslogiken zu entdecken, die mit der vernetzten Computerisierung einhergehen.

Generell kann der hier skizzierte Managementbegriff kritisiert werden bzgl. der getroffenen Annahmen über die Wirksamkeit der Steuerung (Ciborra & Hanseth 2001), die postulierte Handlungsrationalität (Weick 1985) und die kaum auflösbare Verschränkung mit hierarchischer Koordination (Beyes 2002). An dieser Stelle wird eine weitere Beschäftigung mit Managementfragen erst einmal vertagt und auf die abschließende Reflexion verschoben, um Steuerungsfragen konkret, vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit dem Forschungsgegenstand, wieder aufgreifen zu können.

1.2.5 Relevanz von Wissensmanagement

Ist Wissensmanagement bei all den skizzierten und angerissenen Schwierigkeiten (Managementmode, Wissensbegriff, Managementbegriff) überhaupt noch ein relevantes Thema? Die Legitimation für eine weitergehende Beschäftigung mit einer systematischeren Erschließung organisationsbezogener Wissensprobleme hat sich meines Erachtens verschoben. Sie definiert sich nicht (mehr) über naive Machbarkeitsphantasien, die die ,Enttäuschung der in Dokumentations- und Übertragungstechnik gesetzten Erwartungen" (Schneider 2005: 24) nach sich ziehen musste. Vielmehr ist es mittlerweile der umfassendere Zusammenhang der sektoralen Verschiebung von Wertschöpfung und die Informationsüberfülle, also die andauernde Debatte um eine Informations- oder Wissensgesellschaft, die die Beschäftigung mit Wissensproblemen weiterhin relevant machen (ausführlich Kübler 2005).

Informations- und Wissensgesellschaft sind als Begriffe eine Art Sammelbecken für Wandlungstendenzen des entwickelten Kapitalismus seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie sind Selbstbeschreibungen, in denen zum Ausdruck kommt, dass gegenwärtig den Begriffen Information und Wissen ein besonderer Stellenwert zugerechnet wird. (Schilcher 2006: 48)

Nach diesen einführenden Betrachtungen kann nun der Einstieg in das Thema Wissensmanagement erfolgen.

 

 


1. Es hätte eigentlich heißen müssen: ,Die vor mir liegende Arbeit ...".

2. http://www.blogwalk.eu/weblog/

3. http://blogtalk.net/

4. Weblogs als Mittel der externen Unternehmenskommunikation sind also explizit nicht Gegenstand dieses Forschungsvorhabens.

5. Präziser: auf die ausschließlich aus dem Intranet heraus Zugriff besteht

6. Noch knapper: Potenziale interner Mitarbeiterweblogs für die Wissenskommunikation. Da Wissenskommunikation kein besonders gut etablierter und einfach verständlicher Begriff ist, bleibt es im Haupttext bei der etwas längeren Formulierung.

7. Wahlweise auch: ,des Kollektivs", als Gegenbegriff zum Individuum oder der Unternehmung.

8. Häufig ist von Vernetzungsmustern oder Kontexten die Rede, meist ohne diese Konzepte dann genauer zu erläutern

9. Ob dies theoretisch zulässig ist, ist auch zwischen Protagonisten unterschiedlicher Systemtheorien strittig, beispielsweise zwischen Humberto Maturana und Niklas Luhmann (vgl. May 2008: 110 ff.).

10. Allerdings wird dann auch der Informationsbegriff systemrelativ definiert, was zu verschiedensten begrifflichen Problemen (Kübler 2005: 86) führt und hier nicht weiter verfolgt wird.

11. Die Rede von der Aggregaten klingt mir zu mechanisch, da auf unterschiedlichen Ebenen qualitativ unterschiedliche Effekte (Gruppendynamik, strukturelle Konkurrenz etc.) auftreten können, die gerade über eine reine Aggregation (im Sinne von Anhäufung) hinausgehen.

12. Nach Luhmann werden diese erst seit dem 18. Jhdt. mit dem einzelnen Menschen gleichgesetzt (Luhmann 2006: 247).

13. Die Positionierung der Unterscheidung bewusst/unbewusst ist nicht etwa auf niedrige Komplexität zu beziehen, sondern ist aus grafischen Gründen neben der Vertikalen in der Nähe des personalen Wissens platziert.

14. Hier wird auf die naheliegende Formulierung ,gespeichert" gezielt verzichtet, um etwas Abstand von einer informationstechnischen Metapher für Wissensphänomene generell zu gewinnen.

15. Eine Brücke zur Informationswissenschaft, die das Verhältnis von Wissen und Information quasi umkehrt lässt sich auf diese Weise trotzdem nicht schaffen. Siehe Kübler (2009: 85) für eine Kritik an der entsprechenden Begriffsbildung.

16. Dies ist, um es in der Einleitung einfach zu halten, eine objektivistische Definition, die noch ohne die explizite Formulierung eines Beobachters auskommt, wie er vom Radikalen Konstruktivismus aber auch den meisten Systemtheorien gefordert wird.

17. Meyer (2005: 3) bezeichnet Wissen als , Repertoire unterschiedlich gut kodifizierbarer struktureller Konnektivitätsmuster, deren Inhalte sich zur Erreichung von Zielen als viabel erwiesen haben".

18. Die letztlich auch wieder von Menschen gestaltet werden, allerdings wesentlich strikter / stärker gekoppelt sind, um die maschinelle Abbildbarkeit und Transaktionsfähigkeit zu ermöglichen.

19. Capurro (1999) unterscheidet beispielsweise noch den sprachwissenschaftlichen, den kybernetischen, den kulturwissenschaftlichen und den naturwissenschaftlichen Informationsbegriff.

20. Dies gilt, wie Beyes (2002: 108) belegt zumindest für alle nicht Luhmannianschen System- bzw. Management-Theorien.